Läuschen und Rimels

Es gibt in Deutschland eine Sprache die einmalig ist. Und das ist Plattdeutsch. Diese Sprache gibt es in unterschiedlichen Dialekten, in Hamburg klingt sie anders als in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern anders als in Friesland. In dieser Sprache kann man Dinge sagen, die auf Hochdeutsch durchaus beleidigend sein können. Zum Beispiel: “De Mors hett ock blos dwe Backen” kann man ohne juristische oder andere Folgen auch zu einem abgehobenen Ministerpräsidenten sagen.

In dieser wunderschönen plattdeutschen Sprache hat Peter Falow sein Erlebnis aufgeschrieben. Und wer es nicht versteht möge sich melden und bekommt eine hochdeutsche Fassung.

De unheimliche Fohrgast

Dat wir an einen Fridag in den Hartmand so in de 80er Johren. Den ganzen Dag oewer wir dat gries bläwen un natten Snei, de up de Ierd gliek wedder Gatsch wir, fusselte egalweg von baben.
Taun Awend harr ick den Updrag einen Snelltog von Swerin na Berlin – Lichtenbarg tau führen. Mien Lokomotiv mit de Nummer 132 371 wir ein von de roden russischen Riesen. Disse Ort harr wat in de West, künn wat af un wir ok verlat up. Bi uns Lokführers wir se sihr beleewt.
De 13 Wagen de ick achter mien Maschin harr wiren gaut beset´t. So bi 600 Lüd harren sick mi anvertrugt un verlöten sick dorup, dat ick ehr heil un pünktlich na Berlin bringen dau.
Tauierst löp ok allens gaud. Sachten wir de Temperatur buten doch ünner Null follen, denn de Schiebenwischer müßten bannig racken, dat se mi den natten Snei ut de Sicht hölen. As ick nu min Lampen inschalten möt, ward dat Licht von de Sneiflocken reflecktiert un von de Streck kann ick nich mihr väl seihn. Dat wir nu grad, as wenn ick gägen einen undoerchsichtigen, endlosen Warbel von witten Punkten führen müßt. Doerch poor Ritzen wir ok all Snei in das Führerhus kamen, de sacht däute, wovon de Schieben von binnen beslögen ok mit de Sicht würd dat ümmer leger.
De Heitluftpüster mök einen bannigen Larm de mi all up den Geist güng, In Nauen kem de Rotmütz mit einen nigen Fohrplan un schriftlichen Befehl. Dat süll nu nich oewer den Berliner Nordring, nee oewer den Südring süll dat gahn. Up den Nordring wir ein Lok mit Maschinenschaden liggen bläwen. Ick wir von disse Ümleitung nich begeistert, denn up den Südring wir ik all langen nich mihr führt.
Bet taun Ring löp noch allens na Plan, denn oewer kem´t in´t tüdeln. Mit minen Tog slek ick von ein Signal taun annern. Dat sniete ümmer düller. De Snei klumpte un set´te sick in de Signalblenden. De Farben wiren kum noch tau kennen.
Mit minen Tog slängelte ick afwesselnd mal up dat rechte, mal up dat linke Gleis. Oewerall stünnen Götertoeg. De ganze Südring wir tauführt. Ümmer wedder gäles Licht an de Signale. Dat bedüd, an dat näste is noch „Halt“. Dat müßt ick oewer ierst eins söken in all de Düsternis un Sneidriwen un denn künn dat ok noch tauklumpt sien. De Signale stünnen dor denn nich siedwarts, nee se wiren baben oewer dat Gleis an Brücken fastmakt. Dat mök dat up mien korte Sicht ok noch leger.
As ick achter einen Götertog vörkam bluckt mit eins blaget Licht up. In grellen Lichtschien seih ick Fuehrwehren un Krankenwagen. Ein Hümpel Lüd lopen hastig mank de Gleise rümmer. De Snei dämpt dat Fohrgeräusch von minen Tog. Ick gäw mit mien Typhon ein scharpet „Achtungssignal“. Ein Sicherungsposten hett mi wohrnamen. He bört ein Hand taun Teiken. In´t Vörbiführen seih ick mank de Gleise is wat taudeckt. Is woll wedder einer bäten dicht an de Isenbahn kamen. Dorvon ok dat Chaos.
Ick sitt blot noch up de letzte Kant von minen Stauhl. Min Ogen bohren sick in den Warbel und de Düsternis buten. Ein Hand liggt an den Fohrschalter, de anner an de Brems. Jede Faser an mi is spannt. Jedet Verseihn von mi kann nu ein grot Malür warden.

In disse hoge Anspannung giwt dat mit einen Slag einen gräsigen Larm. Eine von de Schallschutzdören taun Motorrum wir upsprungen und de Larm von 3000 PS hamerten vull up mine Uhren.
Ick wir nu oewer an minen Stauhl wisbunnen, denn ick müßt all poor Sekunnen de „Sifa“ bedeinen (Dat is de Apparat de uppaßt, ob de Lokführer ok uppaßt) As ick nu doch versök de Dör tau sluten un mi up den düstern Führerstand na achtern umdreihgen dau, stah ick mit einen frömden Kirl Bost an Bost. Ein iesigen Schrecken jagt mi doerch! Ick denk mi dröppt de Schlag! Is dat wohr ? Is dat ein Spöck ? Dröm ick? Aewer ne, de Mann wir wirklich echt. Der Dör wir also nich von allein upgahn, he harr se upmakt.
Ick begriep mi nu fix und dau as wenn dit jeden Dag passiert uns segg em fründlich „Gauden Dag“. Ick beid em den Bimannsitz an, wo he sick ok geruhig dalleet. Dat wir ein staatschen Kirl, binah 2 Köpp grötter as ick. Wenn dat mit em grow kamen wir, harr ick kein gauden Korten hadd. Sachten läd sick mien Schrecken wedder. He grummelte sick noch wat in den Bort wat ick nich verstünn. Bi dat Brummen von den Motor, de Warmniss up den Führerstand würd he möd un läd sinen Kopp up dat Führerpult. Sien Snorchen wieste mi denn, dat he woll doch nich mit lege Afsichten kamen wir.
Mi wir nu oewer einmal nich klor, woans de Kirl up de Lok kamen wir. De Achterdören harr ick von binnen verriegelt. In den düstern Motorrum harr he sick wat daun künnt. In de Lüfterkammer leep allens up Hochtouren. Dat harr em de Büks uttrecken müsst.
As wi denn in Lichtenbarg mit Verspädung ankamen, seeg ick de Sak all nich mihr so iernsthaftig an.
Mit „He Meister wi sünd dor“ mak ik minen blinnen Passagier wak. Von den Slap noch benamen verleet de unheimliche Gast de Lokomotiv ahn ein einzig Wurt un verswünn mank de Fohrgäst up den Bahnstieg.
As ick denn minen Togführer mit ein Tasch as Fundsak rümmersläpen seih, hew ick so mien Vermauden.
Weiten mücht ick oewer doch eins, ob von de välen Reisenden sick einer Gedanken makt, wat vörn up de Lok allens versöcht ward üm ok bi grote Widrigkeiten pünktlich tau sein.
Nahklapp: Oewer dit Beläwen hew ick niks naseggt. Wir ja allens noch eins gaut gahn. De Dören von den achtersten Führerstand hew ick nahsöcht und süh dor! De ein Dör let sick likers von buten upmaken, wenn se von binnen verriegelt wir. Dat let ick oewer gliek wedder farig maken.

Beläwt von Peter Falow ut Schwerin, en ollen Lokführers, un upschräben am 19. 02.2007

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